Nick Hein und Thomas Gnirs

Im Auto ist der Anschnallgurt unverzichtbar – warum nicht ein „digitaler Anschnallgurt“ für den Alltag?

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Interview mit Sicherheitsexperte und Ex-Bundespolizist Nick Hein über die DIKE-App

Vorwort: Nick Hein stand elf Jahre im Dienst der Bundespolizei. Drei Jahre davon verbrachte er bei der Dienststelle am Kölner Hauptbahnhof. Anfang 2015 beendete er seine Beamtenlaufbahn, um sich seiner Karriere als Profi-Kampfsportler widmen zu können. In der deutschen Medienwelt gilt Nick Hein als Sprachrohr der Polizisten, ist regelmäßig zu Gast in Talkshows (z.B. „Maischberger“, ARD) und wird u.a. in Folge seines 2016 erschienen Buches „Polizei am Limit“ zum Thema innere Sicherheit häufig als Meinungsführer interviewt.

Nick, was sagst Du als ehemaliger Polizist und Experte zum Thema Sicherheit über die aktuelle Lage?

Es ist kein Geheimnis: Wir haben zurzeit in Deutschland eine verschärfte Sicherheitslage. Die Vorfälle der letzten Jahre und Monate in Köln, München und Berlin zeigen das leider sehr deutlich. Wir stehen momentan an einem Scheidepunkt. Wir können entweder so weitermachen wie bisher oder aktiv dafür sorgen, die Sicherheitslage zu verbessern. Aus meiner Sicht ist die Entscheidung klar: Es muss sich etwas ändern! Ich befürchte, Dinge wie die tragischen Vorfälle mussten erst passieren, damit sich tatsächlich etwas bewegt. Die aktuelle Lage lässt uns keine andere Wahl, als nach neuen Lösungen zu suchen, um das Thema Sicherheit in Deutschland und Europa in den Griff zu bekommen.

Und die DIKE-App wäre eine Lösung dafür?

Sie könnte auf jeden Fall einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung beitragen! Ich denke, dass wir mit einer Lösung wie der DIKE-App rasch ein Netzwerk aufbauen könnten, das sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa für mehr Sicherheit sorgen kann. Das Konzept setzt nämlich genau dort an, wo bislang noch die größte Lücke besteht: in der direkten Kommunikation zwischen Bevölkerung und Behörden im Ernstfall.

Wie hat man sich diese Lücke in der Kommunikation vorzustellen?

Ich nenne mal ein Beispiel aus meinem ehemaligen Berufsalltag: Ein Einbruch in ein Auto oder eine Sachbeschädigung hat stattgefunden – wir als Polizisten werden gerufen und kommen zum Einsatzort. Dort nehmen wir den Fall auf, machen Fotos, schreiben einen Bericht und haben das dann in unseren Akten. Der Bürger erfährt davon allerdings nichts. Wenn es dann in der gleichen Straße, weil dort ein Kriminalitätsschwerpunkt ist, drei oder vier Einbrüche pro Woche gibt, dann wissen wir das, aber der Bürger, der das nicht mitbekommt, weiß das schlichtweg nicht.

Ist es nicht Aufgabe der Polizei, die Bürger dann über solche Entwicklungen zu informieren?

In den seltensten Fällen haben die Polizisten im Einsatz die Zeit oder gar die Möglichkeit, solche Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben. In solchen Situationen hilft es sehr, wenn sich Nachbarn und Anwohner selbst gegenseitig informieren. Über die DIKE-App können das Bürger dann ganz einfach selbst erledigen.

Aber führen solche zusätzlichen Informationen nicht zu einer Übersensibilisierung der Menschen?

Nein. Ich bin davon überzeugt, dass umfassende Information einen wichtigen Beitrag zur Prävention leistet. Dann wären viele an den Bahnhöfen achtsamer und würden nicht leichtfertig ihre Taschen unbeobachtet stehen lassen. Senioren wären besser über Trickbetrüger informiert, Autofahrer könnten sich besser gegen einen möglichen Fahrzeugeinbruch schützen. So kann jeder von uns für den Fall der Fälle besser vorbereitet sein.

Mehr Information bedeutet also besser geschützt sein?

Genau! Es ist praktisch, wie wenn man mit dem Auto fährt. Natürlich rechne ich nicht damit, dass ich bei der nächsten Fahrt einen Unfall haben werde, aber trotzdem schnalle ich mich an, einfach weil ich für den Ernstfall vorbereitet und geschützt sein will. Warum sollte man sich nicht auch „fürs Leben anschnallen“ und eine App wie DIKE nutzen – denn wenn es um unsere persönliche Sicherheit und unsere Unversehrtheit geht, kann jeder Vorfall ein Vorfall zu viel sein. Ich hätte mir gewünscht, die Bürger hätten die DIKE-App in meiner Zeit als Polizist schon gehabt!