Pilotphase

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In den letzten sechs Monaten haben wir DIKE getestet. Dabei wollten wir mehrere Dinge untersuchen. Eines davon: die Akzeptanz und Nutzung im ländlichen Raum

Wir testeten DIKE bereits Ende letzten Jahres in der Region Grafschaft südlich von Bonn mit 300 Nutzern in einer geschlossenen Pilotgruppe. Diese Gruppe hatte sich bereits in enger Abstimmung mit der örtlichen Polizei organisiert, um sich untereinander vor möglichen Einbruchsversuchen zu warnen.

Denn, dass die Grafschaft verkehrsgünstig liegt, hatte sich auch unter organisierten Banden herumgesprochen: Kurz von der Autobahn runter, einmal durch den Ort zum Auskundschaften fahren, und am nächsten Tag den Einbruch durchziehen – ein leider erfolgreiches Rezept.

Unter Zuhilfenahme mehrerer WhatsApp-Gruppen begannen sich die Nachbarn in den Gemeinden der Grafschaft gegenseitig zu informieren, wenn sie etwas Auffälliges beobachtet hatten oder sie relevante Informationen von der Polizei zur Weiterleitung bekommen hatten.

Das System der gegenseitigen Information wirkte Wunder, sodass zwischenzeitlich die Anzahl der Einbrüche in der Region stark zurückgegangen ist. Was leider nicht so gut funktionierte, war die Erweiterung des Systems.

Da sich die Nutzer über WhatsApp organisierten, gab es zu Beginn unserer Testphase ein halbes Dutzend Gruppen für die einzelnen Ortschaften. Zur Abstimmung und Koordination zwischen den Gruppen gab es administrative Nutzer, die Mitglied aller Gruppen waren und die Informationen zwischen diesen hin- und herschoben. Einige dieser Administratoren waren zwischenzeitlich schon genervt, weil bei ihnen den ganzen Tag Nachrichten hochpoppten, die für sie aktuell gar nicht von Belang waren. Der organisatorische Aufwand war zu groß geworden.

Mit der Einführung von DIKE in der Grafschaft konnten wir dieses Problem adressieren, ohne die Vorteile der gegenseitigen Vernetzung zu behindern. DIKE erfordert keine Administration durch die Nutzer. Nach dem Einloggen konnten die Nutzer in der Grafschaft einfach eine der 34 Gemeinden in ihrer Region als ihre Heimatnachbarschaft auswählen. Da die Meldungen in DIKE ortsspezifisch sind, erhalten die Nutzer auch nur die Meldungen, die in ihrem Bereich relevant sein könnten. Das System organisiert sich faktisch von selbst; die Nutzer können einfach mitmachen.

Mit der Einführung von DIKE in der Grafschaft konnten wir dann auch an der Präventionsarbeit in der Region teilhaben.

Wir konnten Vorfälle wie den eines maskierten Mannes im Garten einer Nutzerin verfolgen, bei denen – nachdem die Polizei informiert war – die Nutzerin auch alle DIKE-Nutzer in der Nachbarschaft informierte, woraufhin über 170 Nutzer eine entsprechende Warnung per Push erhielten.

Wir bekamen mit, wie sich die Nutzer gegenseitig darauf hinwiesen, dass DIKE nur als Hinweissystem dienen solle und nicht als Diskussionswerkzeug, um sich über fehlende Stellen bei der Polizei zu beschweren.

Wir konnten feststellen, dass es in einem Zeitraum von sechs Monaten keinerlei Falschmeldungen oder Denunziationen gab, bei denen einzelne Nutzer als Zielscheiben gedient hätten. Neben regelmäßigen Gesprächen mit Nutzern führten wir gegen Ende dieser ersten Testphase noch eine strukturierte Befragung durch, bei der sich etwa 80 Nutzer der ersten Stunden beteiligten. Diese Befragung führte dann auch noch einmal zu – für uns – erstaunlichen Erkenntnissen.

Beispielsweise waren wir davon ausgegangen, dass Informationen wie Meldungen und Bilder nur in den Gruppen oder den örtlichen Bereichen sichtbar sein sollten, für die sie der Ersteller der Meldung vorgesehen hatte. Zugriff auf diese Daten von außerhalb sollte nicht möglich sein. In der Befragung stellte sich aber heraus, dass die Mehrheit der Benutzer es als vollkommen richtig erachtete, dass auch die Polizei auf diese Meldungen zugreifen darf. Etwas, was wir als Entwickler von DIKE nie so vorgesehen hatten. Meldungen sollen in unserem Konzept erst nach Freigabe durch den Meldungsersteller an externe Stellen weitergegeben werden dürfen.